MÜNSTER

Foto: Museum für Lackkunst
Das im Herzen der Stadt gelegene Museum ist ein Juwel der Münsteraner Kulturlandschaft. Es zeigt eine weltweit einzigartige Sammlung von Lackkunst aus Ost- und Südostasien, Europa und der islamischen Welt mit Objekten aus über zwei Jahrtausenden.
Die nach Regionen gegliederte Sammlung umfasst etwa 2.000 Exponate, die dem Besucher in wechselnder Präsentation vorgestellt werden. Das facettenreiche Repertoire unterschiedlicher Kulturen und Epochen wird durch eine wahre Fülle von Kunstwerken veranschaulicht. Sie reichen von kleinen filigranen Räucherwerk-Döschen bis hin zu prächtigen, mit Intarsien aus Perlmutter verzierten Truhen und Schränken. Die Ästhetik und Schönheit der Kunstwerke erschließen sich dem Betrachter auf den ersten Blick, die Kostbarkeit wird umso deutlicher, je mehr man über die aufwendigen Herstellungstechniken der Lackkunst erfährt. Der Werkstoff Lack hat von jeher eine Faszination auf die Menschen ausgeübt. Nicht nur die Eigenschaft, Objekte zu schützen, ist ihm zu eigen. Durch seinen Glanz verleiht er ihnen darüber hinaus eine ganz besondere Anziehungskraft.
Die regelmäßig stattfindenden Sonderausstellungen des Museums vertiefen Einzelaspekte der traditionellen wie der zeitgenössischen Lackkunst; Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Lesungen lassen es darüber hinaus zu einer von den Gästen geschätzten kulturellen Begegnungsstätte werden.
Kuroda Tatsuaki – ein Bildhauer unter den Lackkünstlern
9. Oktober 2011 bis 22. Januar 2012
In dem überaus vielfältigen Bild, das die japanische Lackkunst des 20. Jahrhunderts bietet, steht das Werk Kuroda Tatsuakis wie ein aus Holz geschlagener Fels. Seinen Arbeiten ist – selbst im kleinsten Format – eine starke, raumgreifende Präsenz zu eigen, die daher rührt, dass Kuroda zuerst und grundsätzlich ein Holzwerker und Holzbildhauer war. Er verstand es meisterhaft zu schnitzen und das Holz, seinen Werkstoff, in dessen jeweils individueller Beschaffenheit aufleben zu lassen. Sein genialer Umgang mit diesem Werkstoff trug ihm auch – als erstem auf diesem Gebiet – 1970 den Ehrentitel eines ningen kokuhō, eines „Lebenden Nationalschatzes“, ein.
Kuroda (1904–1982), der dem Milieu der Kiotoer Lackhandwerker entstammte und sein ganzes Leben in Kioto verbrachte, war beim Lack nicht weniger in seinem Element. So brachte er, ohne zwischen Lack- und Holzhandwerk zu unterscheiden, die Schönheit der jeweiligen Holzmaserung erst durch das mit Finesse angewandte Verfahren der Klarlackpolitur voll zur Entfaltung. Auch das raden, die Ein- und Auflage von Perlmutter, wusste er mit bislang nicht gekannter Wirkung einzusetzen. Vor allem in seinen Arbeiten mit Auflagen aus blau-grün oder weißlich schimmerndem Perlmutter zeigt er sich von koreanischen Vorbildern inspiriert, die er seit den dreißiger Jahren intensiv studierte. In dieser Hinwendung zur koreanischen Kultur befand er sich in Gesellschaft anderer wegweisender Anhänger der Volkskunstbewegung Mingei, die sich zu einer großen Strömung im japanischen Kunsthandwerk entwickelt hatte. In seinen monochrom rot gefassten Objekten von dynamischer, raumgreifender Spiralform verbinden sich bildhauerische Kraft und subtile Oberflächenbehandlung zu sinnlich-schönen Lackarbeiten von skulpturalem Charakter.
In der japanischen Lackkunst des 20. Jahrhunderts, die von historischen Brüchen ebenso gezeichnet war wie von internen Grabenkämpfen zwischen der Tradition verpflichteten Bewahrern der Technik und sich frei entfaltenden Individualisten, hat Kuroda es verstanden, mit technisch meisterhaften Werken seinen individuellen Weg zu gehen. Die hohe Anerkennung, die ihm schon zu Lebzeiten zuteil wurde, trug ihm Aufträge des Kaiserhauses, des Filmregisseurs Kurosawa Akira, des Schriftstellers Kawabata Yasunari und anderer Größen der damaligen kulturellen Elite Japans ein.
Die Ausstellung, die bedeutende Arbeiten aus dem Besitz Kurosawas und Kawabatas einschließt, wurde ausschließlich mit Exponaten aus Japan bestückt: Leihgaben aus fünf Museen, darunter die beiden Nationalmuseen für moderne Kunst in Tokio und Kioto, der Kawabata Foundation sowie aus dreizehn weiteren privaten Sammlungen. Sie ist Teil des offiziellen Programms des Deutsch-Japanischen Jahrs 2011.
Weitere Informationen:
Fon 02 51/4 18 51-0
www.museum-fuer-lackkunst.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen 12 bis18 Uhr;
Sonderausstellung
Mittwoch–Sonntag + Freitag 12 bis 18 Uhr
Dienstag 12 bis 20 Uhr
Führungen (Sonderausstellung):
Dienstag 17.30 Uhr

































